Informationen für hausärztliche Praxen

Brücken bauen in der Versorgung von Menschen mit Hepatitis in Köln

Lassen Sie uns zusammen für ein „Hepatitis-freies Köln“ aktiv werden. Als hausärztliche Praxen spielen Sie bei der Früherkennung und Prävention von Hepatitis eine entscheidende Rolle. Sie sind im Gesundheitswesen oft die erste Anlaufstelle für Patient:innen und können somit einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Hepatitis leisten. Uns eint das Ziel, die bestmögliche Versorgung von mit Hepatitis infizierten Patient:innen zu erreichen.

Warum testen?

Es ist von entscheidender Bedeutung, auf virale Hepatitis zu testen, da diese Infektionen oft lange unentdeckt bleiben, weil sie entweder zu keinen oder nur unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Gelenkbeschwerden führen. Erhöhte Leberwerte können auf eine akute oder chronische Hepatitis-Virusinfektion hinweisen, sind jedoch bei einem Teil der Patient:innen unauffällig. Auch bei symptomfreiem Verlauf und unauffälligen Leberwerten zeigen Langzeitbeobachtungen, dass eine chronische Hepatitis-Virusinfektion zur fortschreitenden Vernarbung über eine Leberfibrose bis hin zur Zirrhose führen kann. Das Risiko eines hepatozellulären Karzinoms (HCC) ist insbesondere im fortgeschrittenen Fibrosestadium (F3) und im Zirrhosestadium (F4) erhöht. Speziell bei chronischen Hepatitis-B-Virusinfektionen können HCCs auch in früheren Stadien entstehen.

Bei einem positiven Test auf eine Hepatitis-Virus-Infektion ist daher eine zeitnahe Überweisung in eine hepatologisch bzw. infektiologisch tätige Praxis oder Leberambulanz sinnvoll.

Die Früherkennung und rechtzeitige, leitliniengerechte Therapie chronischer Hepatitis-Virusinfektionen ist entscheidend, um langfristige Komplikationen wie Leberzirrhose und Leberzellkrebs zu verhindern. Gleichzeitig wird durch die erfolgreiche Therapie das Ansteckungsrisiko für andere gesenkt (Hepatitis B und D) oder mittels Heilung ganz eliminiert (Hepatitis C). Bei fortgeschrittenen Stadien der Krankheit, wie Zirrhose oder Leberzellkrebs, ist eine rasche Überweisung in eine hepatologische Praxis oder Leberambulanz besonders wichtig, da auch in diesen Fällen oft noch effektive antivirale Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen und zudem eine Überwachung und Versorgung der Spätfolgen erforderlich ist.

Das Robert Koch-Institut schätzt, dass derzeit 0,3 % der deutschen Allgemeinbevölkerung von einer Hepatitis-B-Infektion und ebenfalls 0,3 % von einer Hepatitis-C-Infektion betroffen sind. Höhere Infektionsraten wurden in Risikogruppen gesehen, wie z. B. Menschen mit Drogenkonsum, in Haftanstalten oder mit Migrationshintergrund aus Ländern mit höheren HBV- bzw. HCV-Prävalenzen. Dennoch ist nur eine Minderheit der Infizierten bereits diagnostiziert und ein noch geringerer Anteil ist in fachärztlicher Betreuung. Darüber hinaus ist auf Bundesebene ein stetiger Anstieg der übermittelten HBV- und HCV-Infektionen zu verzeichnen, was die Bedeutung viraler Hepatitiden und die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen unterstreicht.

Wen testen?

Grundsätzlich empfiehlt sich ein Test auf eine Infektion mit den Hepatitisviren A bis E, wenn Leberwerte wie z. B. die GPT erhöht sind.

Chronische Hepatitisvirus-Infektionen werden jedoch mitunter auch in der Allgemeinbevölkerung gesehen, obwohl keine der u.g. Risikofaktoren bekannt und die Laborwerte unauffällig sind. Im Zuge der „Gesundheitsuntersuchung“ (vormals „Check-up 35“) haben daher alle gesetzlich Versicherten seit Oktober 2021 Anspruch auf eine einmalige kostenfreie Untersuchung auf Hepatitis B und C. Ein solcher Test soll daher allen Bürger:innen ab 35 Jahren angeboten werden.

Bei bekannten Risikofaktoren soll grundsätzlich ein Test angeboten werden, selbst wenn die Leberwerte unauffällig sind. Überdurchschnitttlich oft finden sich Hepatitis-B- und -C-Infektionen bei Menschen mit erhöhtem Expositionsrisiko, wie

  • Partner:innen und erstgradige Verwandte von Infizierten
  • Menschen mit aktivem oder vergangenem Drogengebrauch
  • Menschen in Haftanstalten
  • Menschen mit häufig wechselnden Sexualkontakten
  • Medizinisches Personal
  • Menschen mit Migrationshintergrund aus Ländern mit hoher Hepatitisvirus-Prävalenz
  • Menschen, die in länger zurückliegender Vergangenheit Blutprodukte erhalten haben (erhöhtes Risiko für Hepatitis-B-Infektionen vor 1970 bzw. Hepatitis-C-Virusinfektionen vor 1991)
  • Menschen, die häufiger Kontakt mit fremdem Blut haben oder hatten (Hepatitits B, C und D)
  • Menschen die häufiger Kontakt mit anderen Körperflüssigkeiten hattten (Hepatitis B)
Testung

Hepatitis B – Die Testung auf das HBs-Antigen (HBsAg) gibt Auskunft über eine aktive akute oder chronische Hepatitis-B-Infektion. Eine Überweisung an ein in der Hepatitis-B-Betreuung erfahrenes infektiologisches oder hepatologisches Zentrum für weitere Untersuchungen und eine mögliche Behandlung ist ratsam. Die Behandlung chronischer Hepatitis B erfordert eine individuelle, an den Krankheitsverlauf angepasste Herangehensweise, da die derzeit verfügbaren Medikamente die Infektion nicht vollständig heilen, jedoch die Virusvermehrung unterdrücken und damit das Übertragungsrisiko sowie das Risiko für Zirrhose und Leberzellkrebs signifikant senken. Derzeit wird intensiv an wirksameren Therapieoptionen mit dem Ziel einer funktionellen Heilung geforscht.

Hepatitis C – Hier erfolgt zunächst eine Testung auf Antikörper gegen das Hepatitis-C-Virus (anti-HCV), welche jedoch nicht klären kann, ob eine Infektion aktuell vorliegt oder bereits ausgeheilt ist. Bei einem positiven Antikörpertest wird ein weiterführender Test auf das Erbmaterial des Hepatitis-C-Virus, die HCV-RNA (z.B. mittels PCR-Test), empfohlen. Ein positiver Befund auf HCV-RNA bestätigt das Vorliegen einer aktiven Hepatitis-C-Infektion. Dank moderner Medikamente ist Hepatitis C heute nahezu in allen Fällen heilbar. Eine Überweisung an ein in der Hepatitis-C-Betreuung erfahrenes hepatologisches oder infektiologisches Zentrum für eine detaillierte Diagnostik und Therapieplanung ist angezeigt.

 

Impfung

Im Kontext der Gesundheitsuntersuchung ist die Überprüfung des Impfstatus ein wesentlicher Bestandteil. Falls bei den Patient:innen noch keine Immunität gegen Hepatitis A oder B besteht, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) insbesondere für Personen mit Lebererkrankungen eine prophylaktische Impfung gegen beide Hepatitis-Viren. Darüber hinaus wird geraten, dass Partnerinnen und Partner sowie nahe Angehörige von an Hepatitis B Erkrankten ebenfalls auf eine mögliche Infektion untersucht und gegebenenfalls zum Schutz vor einer Ansteckung geimpft werden.

Diese Präventionsmaßnahme trägt signifikant dazu bei, die Übertragung von Hepatitis-Viren zu reduzieren und die Gesundheit der Betroffenen sowie ihres sozialen Umfelds zu schützen. Die Impfung stellt eine sichere und effektive Methode dar, um das Risiko einer Hepatitis-Virusinfektion zu minimieren und die Verbreitung der Erkrankung einzudämmen.

Therapieoptionen bei chronischer Virus-Hepatitis

Hepatitis manifestiert sich in diversen Formen und Schweregraden. Für Patient:innen stehen abhängig vom Typ des Hepatitisvirus sowie dem Krankheitsverlauf unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Eine Hepatitis-C-Infektion ist mit den aktuellen medikamentösen Therapien nahezu immer heilbar. Chronische Hepatitis B kann medikamentös gut kontrolliert werden, und die derzeitigen Daten zur chronischen Hepatitis D zeigen eine Reduktion der Viruslast sowie eine Verbesserung der Leberwerte. Bezüglich Hepatitis B und D befinden sich derzeit vielversprechende Behandlungsansätze in der klinischen Erprobung, um die Effektivität der Therapien weiter zu steigern.

Für eine fundierte Entscheidungsfindung im Behandlungsprozess kann die Einholung einer Zweitmeinung oder die Konsultation mit spezialisierten Fachäärzt:innen in einem auf virale Hepatitis fokussierten Zentrum wertvoll sein. Informationen zu entsprechenden Anlaufstellen und Fachpraxen in Köln, einschließlich ihrer spezifischen Schwerpunkte im Bereich der Hepatitis-Behandlung, finden Sie hier.

Diese fachübergreifende Zusammenarbeit und der Zugang zu spezialisierten Ressourcen gewährleisten eine optimale Betreuung und Behandlung für Betroffene, basierend auf dem neuesten Stand der medizinischen Forschung und Therapieentwicklung.

Komorbiditäten

Bei einigen Patient:innen können zusätzlich zu einer Hepatitis weitere Erkrankungen vorliegen, die eine ergänzende medizinische Behandlung erfordern. In solchen Fällen ist es von besonderer Bedeutung, potenzielle Wechselwirkungen zwischen der Hepatitiserkrankung und den begleitenden Komorbiditäten zu berücksichtigen. Ebenso wichtig ist die Beachtung möglicher Interaktionen zwischen Hepatitis-Medikamenten und anderen Arznei- oder Naturheilmitteln, Grapefruit-Produkten, Drogen oder Anabolika.

Die sorgfältige Abstimmung der Therapiepläne unter Einbeziehung aller relevanten Gesundheitsaspekte und Substanzen ist entscheidend, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung zu gewährleisten. Dies erfordert eine umfassende Evaluation und gegebenenfalls Anpassung der Medikation durch die behandelnden Ärzt:innen, um negative Wechselwirkungen zu vermeiden und die bestmögliche Therapieeffizienz zu erreichen.

Ernährung und psychologische Unterstützung

Für einige Betroffene ist neben der medizinischen Behandlung auch eine spezialisierte Ernährungsberatung oder psychologische Unterstützung vonnöten. In Fällen, in denen solche Leistungen nicht direkt durch Ihre Praxis angeboten werden, empfiehlt sich die Überweisung an Fachpraxen, die sich auf diese spezifischen Bedürfnisse ausgerichtet haben. Dieses Vorgehen ermöglicht es, ein umfassendes Betreuungskonzept zu realisieren, das alle Aspekte der Gesundheit und des Wohlbefindens der Patient:innen berücksichtigt.

Die Kooperation mit Spezialisten auf den Gebieten der Ernährung und Psychologie stellt sicher, dass den individuellen Herausforderungen und Bedürfnissen der Patient:innen in ganzheitlicher Weise begegnet wird.

Leitlinien & weitere Informationen

Für umfassende Informationen zu den verschiedenen Formen von Hepatitis sowie Zugang zu Materialien der Deutschen Leberhilfe können Sie die entsprechenden Ressourcen hier online einsehen. Ebenfalls stehen umfangreiche Informationen des Robert-Koch-Instituts zur Verfügung.

Fachpersonen und Interessierte finden zudem detaillierte Empfehlungen und Richtlinien in den folgenden Leitlinien:

Informationen zur Implementierung der Hepatitis-B- und -C-Tests im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung (ehemals Check-up 35) finden Sie bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung:  KBV-Information – Gesundheitsuntersuchung Check-up

Für Fachkräfte, die das Risiko von Wechselwirkungen zwischen Hepatitis-Medikamenten und anderen Medikamenten oder Substanzen einschätzen müssen, bietet die englischsprachige Website der Universität Liverpool ein hilfreiches Tool zur Überprüfung.